Maulkorb-Hund – Na und?!

(Julia Hänfling)

Teil 1:

„Du solltest mal zu einem Hundetrainer gehen!“
„Der arme Hund!“
„Wie können Sie mit so einem gefährlichen Hund hier laufen?!“
Dies sind nur einige der Reaktionen, wenn ich (W, 35, Mitteleuropäer, 1,51 groß, Brillenträger) mit meinem Rüden Jonny (M, fast 8, Azawakh-Mix, 68 cm Schulterhöhe, Maulkorbträger) in Gebieten unterwegs bin, wo wir noch nicht zum Alltagsbild gehören.
Mittlerweile habe ich mich an das anfängliche Unverständnis der Menschen gewöhnt.
Wenn mein Gegenüber offen für ein Gespräch ist, kann ich den Grund für den Maulkorb erklären:
Jonny frisst jeden Mist (das ist ungesund, selbst wenn es keine Giftköder sind, sondern „nur“ Grillreste/Verpackungsmüll/Kompost…) und er verteidigt eben jenen Mist auch vor anderen Hunden – und es passiert nun mal, dass irgendwo etwas liegt und neben Jonny noch ein anderer Hund schnuppert. Auch wenn er sonst super sozialisiert ist – wenn es ums Fressen geht hört die Freundschaft auf und er kann von 0 auf blöd in 2 Sekunden.
Zudem sind für viele Hunde auch Menschen ein Thema, die sich aus Hundesicht sehr bedrohlich annähern und sie bedrängen. Und natürlich gibt es auch viele weitere Gründe für einen Maulkorb – aber hierzu beim nächsten Mal…

Deshalb sichere ich meinen Hund als verantwortungsbewusste Hundebesitzerin ab. Weil es einfach sicher ist und mich entspannt. Und damit auch meinen Hund entspannt.
Das tut keinem weh und ein gutsitzender Maulkorb ist mit ausreichender Gewöhnung (fast) keine Einschränkung für den Hund: Er kann damit hecheln, trinken, rennen, etc.
Ein Maulkorb kann so selbstverständlich sein wie eine Brille!

Ich möchte dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, Hunde mit Maulkorb so gesellschaftsfähig zu machen wie Kinder mit Zahnspangen. Natürlich ersetzt ein Maulkorb kein Training, aber er sichert ab – und er sollte einfach kein Stigma mehr sein.
Da wo wir täglich unterwegs sind, werden wir akzeptiert und integriert so wie wir sind. Wir laufen mit Hunden aller Rassen, Größen, Farben und Formen und deren Herrchen und Frauchen aller Altersklassen entspannt und fröhlich durchs Leben.
Jonnys Maulkorb ist ein Accessoire – wie ein Halsband, ein Geschirr oder eben meine Brille. Und zu Anlässen wie der Fußball WM kann man ihn auch mal entprechend dekorieren 🙂

Teil 2 demnächst

2 Kommentare

  1. Auch mir fällt es weiterhin schwer, den Maulkorb zu tolerieren, das gebe ich offen zu. Der Hund sieht nun mal mit dem Teil gefährlich aus – wie Hannibal Lecter, das ist wohl auch die Assoziation, die viele haben. Deswegen – sehr gut, dass du über das Thema schreibst, vielleicht geht es auch irgendwann in meinen Holzkopf. Warum es in Jonny’s Holzkopf nicht geht, dass man nicht alles fressen soll, dass man nicht Leute oder andere Hunde anfallen soll weiss ich halt auch nicht. Ich weiss ja, wieviel Zeit du bisher in seine Erziehung investiert hast. Wenn der Maulkorb die Gesamtsituation entspannt, ist das auf jeden Fall ein Gewinn.

    Antworten
    • Hallo Diana,
      danke für Deinen Kommentar und vor allem Deine ehrlichen Worte! Ich finde es gut, dass Du offen zugibst, dass Du (noch?) Probleme mit der Optik eines Maulkorbes hast. Die Assoziation mit Hannibal Lecter ist wohl ein sehr subjektives Empfinden – ich denke nicht, dass man das verallgemeinern kann. Jedenfalls kenne ich jede Menge Leute, die dies nicht so sehen…
      Und sehen wir es mal so: Selbst WENN jemand meint, dass er mit Korb gefährlich aussieht – mit etwas Vernunft muss doch klar sein, dass er eben grade mit Korb nicht gefährlich ist. Denn selbst wenn ein Hund beißen will – mit Maulkorb kann er das nicht.
      So ist also jeder Hund ohne Maulkorb potentiell erstmal gefährlicher, als einer mit.

      Schön, dass Du auch die Zeit würdigst, die ich in Jonnys Erziehung investiert habe und investiere, und ich sage Dir, Sie hat sich absolut gelohnt. Deine Worte lesen sich ein bißchen so als würde er täglich in irgendwen oder irgendwas reinscheppern und der Maulkorb wäre die Legitiamtion dafür. Dem ist nicht der Fall 🙂 Und wie ich schrieb, und dahinter stehe ich absolut: Ein Maulkorb ersetzt kein Training! In der Tat „brauchen“ wir ihn sehr selten – aber wenns so weit wäre, wär die Zeit zu kurz ihn aufzuziehen. Aktuelles Beispiel: Essensresteentsorgung in freier Wildbahn auf unser täglichen Gassirunde… nervig, aber leider Realität.
      Jedem ist etwas anderes wichtig – und bei meinem ist es halt das Fressen…
      Deshalb ist und bleibt der Maulkorb unser täglicher Begleiter – dann ich möchte lieber gemeinsam mit Jonny lange Spaziergänge genießen, als wieder beim Tierarzt zu hocken, weil er irgendwas gefressen hat – oder jemand anderes mit seinem Vierbeiner beim Tierarzt sitzt, weil Jonny seine Lieblingsressource gegenüber einem Artgenossen verteidigt hat.
      Liebe Grüße, Julia

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kontakt
Hundekindergarten Haas
Hundepension mit Hundetagesstätte
Withig 6
77836 Rheinmünster/Schwarzach

Telefon: 07227 7374141
E-Mail: info@hundekindergarten-haas.de

Reguläre Hol- und Bringzeiten

Montag-Sonntag
07.30 Uhr – 10.00 Uhr
16.30 Uhr – 19.00 Uhr
oder nach Vereinbarung